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  der Klasse 9c

Hamburg als Biermetropole während der Hansezeit

    So angenehm ist der Geschmack, dass er wohl göttlichem Nektar vergleichbar;
    Und nicht weniger nährt als Bacchus himmlische Gaben.
    Mit ausgezeichneten Kräften begabt es die Körper der Jugend,
    Denn hier sind mit Hercules Kraft die Männer gerüstet,
    Strahlend von gesunder und stattlicher Farbe, was Dir,
    o du lieblicher Trank, ein jeglicher zu verdanken bekennt.
    (Joh. Frederus Pommeranus, 1537 über Hamburger Bier)

Übersicht:
Vorbemerkung
Die gesellschaftliche Bedeutung des Bieres
Qualität war keine Frage des Zufalls
Zahlen zur Veranschaulichung
Die Brauer
Absatzgebiete

Vorbemerkung

Grundsätzlich besteht ein Quellenmangel zu sämtlichen Bereichen des Hamburger Handels zur Hansezeit, da u.a. durch den Hamburger Brand 1842 wichtige Dokumente zerstört wurden. Die erste Monographie über die Hamburger Bierbrauerei von J.M. Lappenberg, 1861, gilt als erste grundlegende Behandlung des Hamburger Brauwesens und gibt die wichtigsten Informationen. Die nachfolgende Generation von Historikern bemühte sich um weitere Rekonstruktionen, die auch zur Verfassung dieses Referates beitrugen. Leider sind einige Angaben ungenau oder widersprechen sich, wir beschränken uns deshalb auf Aussagen, die in der Literatur übereinstimmend dargestellt werden.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Bieres

Das Bier hatte für die Ernährung der Menschen in der Hansezeit eine erhebliche Bedeutung. Es stellte ein Grundnahrungsmittel dar, da z.B. die Kartoffel noch nicht in Europa eingeführt war, auch die heute üblichen Getränke Kaffee und Tee nicht. Typische Gerichte waren Biersuppe, Bierbrot und Bierbrei, das Gebräu wurde sogar als Waschmittel benutzt. Das dem Körper auch Wasser zuführende Gemüse und Obst war meist zu teuer für die Bürger und das Wasser war, gerade in den Städten, von sehr schlechter Qualität. Daher bot sich das Bier also geradezu an, denn hier wurde (und wird noch heute) das Wasser beim Herstellungsprozess abgekocht. In vielen alten Dokumenten wird das Bier als “Hauptnahrung” bezeichnet, weil sehr viele damit auch direkt oder indirekt ihren Lebensunterhalt verdienten. In Folge dieses “Bierbooms” gab es unter den Brauern viel Reichtum und entsprechendes Ansehen. Viele Brauer waren in höchsten Ämtern und genossen eine hohe gesellschaftliche Stellung.

Selbstverständlich hatten die mittelalterlichen Biere einen anderen Charakter als die heutigen; so war der Alkoholgehalt sehr gering, denn die damals übliche “wilde”, selbständige Gärung konnte keinen hohen Gärungsgrad erzielen. Dann fehlte diesem Bier auch (später nicht mehr) die Hopfenbeigabe. Statt dessen war es mit Kräutern oder mit Buchen- und Eichenrinde gewürzt. Der durchschnittliche tägliche Bierverbrauch einer Person betrug ca. 10-15 Liter, was sich allerdings durch die oben genannten Gründe erklären lässt.

Über die genaue Herstellung des Bieres ist man sich heute letztlich immer noch uneinig: Es gab kein Einheitsrezept, nach dem gebraut wurde, sondern jeder Haushalt hatte seine eigene Art. Hamburg wurde jedoch durch sein hochvergorenes, gehopftes Bier populär und verdrängte damit das davor verbreitete Kräuterbier. Um das Geheimnis der Hamburger Bierherstellung nicht zu verraten, gab es strenge Regeln für Brauer, die zum Handel die Stadt verließen, damit jegliche Konkurrenz von außen unterbunden wurde. 10 Mark Silber als Strafe für verbotene Bierausfuhr war behördlich festgesetzt (dies konnte allerdings nicht eindeutig durch Quellen nachgewiesen werden).

Der Preis des Bieres wurde halbjährlich nach dem Einkaufspreis der Rohstoffe behördlich festgesetzt (durch Steuerbeamte, Deputierten der Ober-Alten und der Kämmerei unter Hinzuziehung der Brauer-Alten). Es ist leider nicht möglich, genaue Angaben zu Erträgen bzw. Gewinnen zu machen, da zwar die damaligen Verkaufspreise, aber nicht die Erzeugniskosten bekannt sind.

Im Jahre 1376 gab es 1075 Gewerbetreibende in Hamburg, davon war die Hälfte Brauer, was die Wichtigkeit dieses derzeitigen “Grundnahrungsmittels” verdeutlicht. Allerdings hatten nur Bürger das Recht zu brauen. Die Brauer durften zur Brauberechtigung kein Handwerk ausüben und ein fremder Brauknecht musste 6 Jahre bei einem Hamburger Brauer dienen, um das sogenannte “Bürger- und Braurecht” zu erwerben, ab 1692 sogar 10 Jahre.

Qualität war keine Frage des Zufalls

      Item / dat man dat Hamburger-Bier guet brauen möge /
      dewylen de vornehmste Nahrunge diesser Stadt daran hanget.
      (Hamburger Rats-Proposition von 1563)

Zur Sicherung der Qualität gab es nicht nur diverse Vorschriften, sondern auch die sogenannte Bierprobe. Vermutlich wurde diese schon vor dem 14. Jahrhundert eingeführt. So heißt es zum Beispiel in der “Wendtschen Städte und Lande Chronik” von 1374, dass das Hamburger nun das Bremer Bier übertroffen habe, weil es zur Probe wert und gut befunden wurde. Die Bierprobe machte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Wandlungen durch, nicht nur was die Geschmacks- und Qualitätskontrolle angeht, sondern auch was die zur Probe verpflichteten Herren betrifft. Ratsleute und Brauer, aber auch neutrale Personen wurden zur Beurteilung berufen.

Das Ergebnis einer Bierprobe wurde auf einem Anschlag bekannt gemacht. Dabei wurde das Bier in zehn Güteklassen eingeteilt. Auf dem Anschlag standen die Namen der Brauer in der Reihenfolge nach der Güte ihres Bieres. Brauer, deren Bier “gewrackt” wurde (z.B. Einschlagen der Fassböden, was eine Strafe war), standen am Ende der Liste und waren mit einem Kreuzchen versehen. Ab dem 16.Jahrhundert wurde nicht nur das für den Export, sondern auch das für den städtischen Gebrauch bestimmte Bier zur Probe beordert. Die Brauer hatten deshalb exakt die vorgegebenen Brauzeiten einzuhalten, denn die Bierprobe wurde zweimal wöchentlich durchgeführt. Sie begann nachmittags um zwei Uhr und dauerte eine halbe Stunde. Es war vorgeschrieben, die Bierprobe an den Stadttoren oder (Schlag-) Bäumen vorzunehmen.

      Lübeck ein Kaufhaus,
      Lüneburg ein Salzhaus
      Danzig ein Kornhaus
      Köln ein Weinhaus
      Hamburg ein Bierhaus

Wie dieser alte hansische Spruch zeigt, prägte das Braugewerbe seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadt und bestimmte für die nächsten anderthalb Jahrhunderte die städtischen Handelsbeziehungen.

Hamburger Bier stand für hohe Qualität, so wurde z.B. gesagt, dass das “Hamburgische Bier (...) wohl nähret und wärmet und so hat es auch eine sonderliche Kraft wegen dessen Hopfens zu heilen” und weiter nähre es die Nerven, mache eine gute Farbe (wohl im Gesicht), steigere die männliche Potenz, und – so Olaus Magnus, ein damaliger Erzbischof aus Schweden – das Bier mache “unfruchtbare Weiber fruchtbar”.

Zahlen zur Veranschaulichung

1369 betrug die Bierausfuhr nach dem Hamburger Pfundzollbuch rund 114.000 hl. Heute entspricht dies ca. 62.497 t. Im Jahre 1375 wurden ca. 240.000 hl Bier in Hamburg gebraut, 1380 exportierten 200 Brauer ihr Produkt. 1475 war die Produktion auf ca. 375.000 hl angestiegen. Von 1403 bis 1418 bestand Zollfreiheit für den Bierexport nach Holland, da sich das Hamburger Bier dort einer großen Beliebtheit erfreute. Zeitweise betrug der Bierexport 60% des Hamburger Außenhandels. Da ein Schiff bis ungefähr 600 t Bier transportieren konnte, war es somit das ideale Transportmittel und wurde von den Kaufmännern bzw. Brauern kräftig genutzt.

Die Brauer

Brauer waren (teilweise Export-) Kaufmänner, wodurch zu erklären ist, dass es keine Brautradition und keine Brauzunft gab. Es gibt kaum eine Möglichkeit zu untersuchen, aus welchen Schichten diese Brauer stammten, was ihre gesellschaftliche Bedeutung war etc, da sie nie als “Brauer” in Quellen erwähnt wurden. Da Kaufmänner, die in alten Texten als gesellschaftlich hoch angesehene Männer beschrieben wurden, zur damaligen Zeit hauptsächlich mit Bier handelten und es auch herstellten, gehen die heutigen Historiker davon aus, dass man Brauer und Kaufmänner in jener Epoche als identisch ansehen kann. Diese durch das Biergeschäft wohlhabend gewordenen Bürger zogen sich vom Biergeschäft zurück, als ihnen die Steuern zu hoch und die Gesetze zu streng wurden und sich das Geschäft für sie somit nicht mehr rentierte.

Die Brautätigkeit wurde von den ehemaligen Hilfsarbeitern der Brauherren, den Brauknechten, übernommen. Dieser neue Brauerstand verstand es auch, anfangs mit gefürchteten Braukrawallen, später mit geschickten Verhandlungen, sich von den bürokratischen Fesseln des Stadtrates, dem 1410 die Sorge um das Brauwerk übertragen worden war, freizumachen. Die hohen Abgaben des Brauhauses wurden gesenkt, die Orloffscheine (ein Erlaubnisschein, der vom Stadtrat an die Brauberechtigten vergeben wurde) frei verkäuflich und die braubeschränkenden Bestimmungen aufgehoben.

Aus den Brauknechten und Schopenbrauern (diese waren eine Art “Wanderbrauer”, die von Brauerei zu Brauerei wanderten und dort mit eigenen Instrumenten – auch dem Schopen –  brauten) entwickelte sich der neue Stand der Mietsbrauer, die dem Bier (-handel) zu neuer Blüte verhalfen. Während um 1400 die Biererzeugung etwa 270.000 t betrug und um 1550 auf 60.000 t zurückgegangen war, stieg nun die Produktion wieder auf ca. 200.000 t in den Jahren um 1600.

Absatzgebiete

Am schnellsten fand das Hamburger Bier in Friesland und Holland Eingang. Mit diesen Ländern stand bisher Bremen in enger Handelsbeziehung. Doch da die Bremer anfingen, ihrem Gebräu Hafer zuzusetzen, konnten sie sich gegenüber den Hamburgern nicht länger behaupten und mussten ihnen bald den Markt überlassen. Die Bremer bezichtigten die Hamburger des unlauteren Wettbewerbs, indem sie ihnen vorwarfen, ihre Erzeugnisse als Bremer Bier zu verkaufen. Graf Wilhelm von Holland und Friesland griff in diesen Streit ein und verbot im Jahre 1321 die Hamburger Biereinfuhr. Da nun die Bürger heftig gegen ihren Landesherrn protestierten, musste das Verbot nach zwei Jahren aufgehoben und durch einen Zoll ersetzt werden. Als Umschlags- und Zollerhebungsstelle wurden Amsterdam und Stavoren bestimmt. In beiden Städten richtete bald die Hanse ihre Handelsniederlassungen ein. Mit diesem Umschlags- und Zwischenhandel des Bieres begann für die dem Handelsverkehr neu erschlossenen Gebiete ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. So hat Amsterdam dem Hamburger Bier seine Entstehung und heutige Bedeutung nicht unwesentlich mitzuverdanken. Von Amsterdam aus handelten die Hamburger ihr Bier weiter rheinaufwärts nach Westfalen und den Rheinlanden. Weitere Absatzgebiete waren Flandern und Brabant. Hier hatten die Hamburger Brauer noch Sondervergünstigungen bei den sehr hohen Bierzöllen erzielen können.

Zwar hatte Hamburg im Hanseraum über ca. 150 Jahre hinweg ein Monopol für Bierhandel, aber die Umstrukturierung der Handelsmärkte durch die Auflösung der Hanse wirkte sich letztendlich auch auf den Export aus und sorgte für große Umsatzrückgänge.

Der Handel im Ostseeraum war nie von Bedeutung. An den dortigen Küsten konnte man kaum Fuß fassen, hier blieb das Hamburger Bier immer ein Außenseiter. Die Hafenstädte an der Ostsee hatten sich größtenteils selbst mit ihrem eigenen Bierexport etabliert und waren auch anderweitig in guten Ruf gekommen (Wismarer, Rostocker, Danziger und Lübecker Bier), wodurch dort kein Bedarf für das Hamburger Getränk vorhanden war. 1416 gab es in Danzig sogar einen Aufstand gegen die Einfuhr Hamburger Bieres, da sich die einheimischen Brauer gegen die Konkurrenz wehrten.

                              Alena Ruff, Markus Nielsen

Literatur:

- Ausgabe 12/91 des “Getränkefachgrosshandel”, Artikel von W. Schmidt, Seite 48
- W. Bing : “Hamburg und das Bier”
- Hans-Peter Meister: “Ein Beitrag zur Geschichte des Hamburger Bieres”
- Kurt Waas: “Hopfen und Malz –  Gott erhalt´s”
- Gerald Stefke: “Ein städtisches Exportgewerbe in seiner Entfaltung und ersten Blüte”

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