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Der Hansetag – Kommunikationsforum und Beschlussorgan Übersicht: Zur Organisationsstruktur der Hanse Die Aufgabe der Hansetage
Das Interesse an den Hansetagen Die Einladung zu den Hansetagen
Die Teilnehmer der Hansetage Die Durchführung der Hansetage
Regionaltage Gesandtschaften im Ausland Hansetage in der heutigen Zeit
Zur Organisationsstruktur der Hanse Die Hanse war eine locker organisierte Vereinigung von Städten, die nur wenige gemeinsame Institutionen besaß. Sie
verfügte weder über fest angestelltes Personal noch über reguläre Geldquellen. Auch besaß sie keine feste Flotte oder ein jederzeit bereites Heer. Diese lockere Organisationsform der Hanse, die keine Anzeichen eines
Staates - aber die Macht eines solchen - besaß, hat bei vielen römisch geschulten Juristen der damaligen Zeit eine große Ratlosigkeit hervorgerufen. Obwohl die Hanse nicht in der Form eines Staates organisiert und
verwaltet wurde, hatte sie die Möglichkeit, wesentliche Entscheidungen und Beschlüsse zu treffen.Die Mitglieder der Hanse wurden nie registriert. Die Hanse hatte sich sogar geweigert, ein
Mitgliederverzeichnis zu erstellen Die Schätzungen reichten von 50 bis 200 Mitgliedern. Es war auch kaum möglich, die Mitgliederzahl festzustellen, da es teilweise Städte gab, welche die Hanseprivilegien in
Anspruch nahmen, aber selber nicht in dem Städtebund vertreten waren. So gab es eine natürliche Gliederung der Hansestädte, in der die größten Städte eine Vormachtstellung einnahmen. Diese Einteilung wurde in Drittel
vorgenommen. Das erste Drittel umfaßte die wendischen, sächsischen, pommerschen und brandenburgischen Städte mit Lübeck als Hauptort. Das zweite Drittel wurde von Dortmund, später Köln geleitet. Ihm gehörten die
westfälischen, rheinischen und preußischen Städte an. Das letzte, gotländisch-livländische, Drittel hatte anfangs Wisby, später Riga zum Vorort. Braunschweig gab sich nicht mit der Unterordnung unter Lübeck
zufrieden und beantragte auf dem Hansetag von 1494 eine Umgruppierung der Drittel. Es wollte zum Hauptort des Drittels mit den sächsischen, preußischen und livländischen Städten werden. Da Danzig damit nicht
einverstanden war, bildete man ein eigenes sächsisches Viertel mit Braunschweig an der Spitze und ein preußisch-livländisches mit Danzig als Hauport. An Stelle der Drittelaufteilung gab es nun die Viereraufteilung – die
Quartiere. Lübeck und die wendischen Städte übernahmen die Führung in der Organisation dieser Quartiere. Eine sehr wichtige Rolle bei Beschlüssen und Entscheidungen spielten die Hanse- und Regionaltage.
Dort wurden Beschlüsse diskutiert, beraten, getroffen und umgesetzt. Die Hansetage galten im Gegensatz zu den Regionaltagen als oberste Instanz. Sie wurden jedoch seltener einberufen als Regionaltage. Die Aufgabe der Hansetage Der Hansetag galt als das leitende Organ der
Hanse und war die Hauptversammlung der Hansestädte. Der Hansetag entschied über Handelsverträge und Handelsprivilegien, über Verhandlungen mit ausländischen Städten oder Herrschern, über Frieden, Krieg oder Blockade,
über den Ausschluß (“Verhansung”) oder die Zulassung von Mitgliedern. Außerdem war es die Aufgabe der Hansetage, bei Konflikten zwischen Hansestädten zu vermitteln und zu schlichten.
Das Interesse an den Hansetagen Der Hansetag tagte in unregelmäßigen Abständen von 1358 bis
1669. In den Zeiten großer politischer Konflikte häuften sich die Hansetage; in den Zeiten ruhiger Entwicklung gab es manchmal lange Perioden ohne Hansetage. Die Beteiligung an den einberufenen Hansetagen war gemessen
an der Zahl der Mitglieder gering. Dieses hatte verschiedene Gründe: Zur damaligen Zeit war das Reisen teurer, schwieriger und zeitraubender als heute. Aus diesem Grund nahmen meist nur die größeren und reicheren Städte
an einem Hansetag teil. Da einige Hansestädte über 300 km von Lübeck entfernt waren, bedeutete das, dass diese Städte recht selten auf Hansetagen vertreten waren. Ein anderer Grund für das Ausbleiben einiger Städte läßt
sich damit erklären, dass es häufig unbeliebte Beschlüsse zu treffen gab. Meist blieben die betroffenen Hansestädte den Hansetagen fern, um einem Beschluß damit aus dem Wege zu gehen.
Die Einladung zu den Hansetagen Lübeck
galt unumstritten als das Haupt der Hanse. So war es Lübeck vorbehalten, nicht nur wegen der geographisch günstigen Lage, 54 der insgesamt 72 Hansetage auszurichten. Es war auch Lübeck, das die Initiative zur Einberufung der verschiedenen Hansetage ergriff. Die Einladungen wurden in der Regel nur an ausgewählte größere Hansestädte geschickt. Diese wiederum reichten die Einladung an ihre Nachbarstädte weiter oder verkündeten die Einladung auf Regional- oder Lokaltagen. Auf diese Weise bildete sich ein Vertretungssystem der benachbarten Hansestädte heraus. Dieses hatte zur Folge, dass kleinere Hansestädte durch eine Bevollmächtigung an größere Nachbarstädte auf den Hansetagen indirekt vertreten waren. Somit wurden die meisten Hansetage zwar von wenigen Teilnehmern besucht, aber trotzdem die kleineren Hansestädte durch das Vertretungssystem durch größere Städte repräsentiert. Um dieses Vertretungssystem aufrecht zu erhalten, mußte das Datum eines vorhergesehenen Hansetages rechtzeitig bekannt gegeben werden, damit die Städtegruppen sich vorher, auf Regionaltagen, über die Tagesordnung verständigen und ihren Standpunkt zu bestimmten Fragen festlegen konnten.
Die Teilnehmer der Hansetage An den Hansetagen
konnten meistens alle bedeutenden Personen des Reiches teilnehmen. Dazu gehörten zum Beispiel der Kaiser, Erzbischöfe, Fürsten oder Abgesandte. Sie hatten kein Stimmrecht, sondern nur das Recht, ihre Meinung über die
Beschlüsse, welche sie betrafen, dem Hansetag mitzuteilen.Lediglich Ratssendeboten (meist Ratsherren) waren bevollmächtigt, ihre Stadt oder eine jeweilige Städtegruppe (mit Hilfe des Vertretungssystem) auf Hansetagen
zu vertreten. Sie allein waren zur Stimmabgabe berechtigt. Sie wurden durch die Räte der jeweiligen Hansestädte abgeordnet und erhielten die Anweisung, die Meinung der einzelnen Städte zu den in der Einladung bekannten
Tagesordnungspunkten zu vertreten. Dieses bedeutete, dass jeder Ratssendebote vor jedem Hansetag genau informiert werden mußte, wie er sich zu den einzelnen Tagesordnungspunkten zu verhalten hatte. Die Aufgabe der Boten
war es somit, die Standpunkte ihrer Stadt oder Städtegruppen vorzustellen und zu versuchen, die Interessen zu wahren. Die Durchführung der Hansetage Nach der Einladung durch Lübeck erschienen die Teilnehmer der Hansetage nur
zögerlich. Meist verschob sich der Beginn der Tagung, weil nicht alle Teilnehmer rechtzeitig erschienen. Die Vertreter der Städte nahmen bei den Verhandlungen im Sitzungssaal Platz. Dabei war der Platz jedes
Ratssendeboten nach einer Rangordnung festgelegt, die meist zu Streitigkeiten führte. Der Platz in der Mitte eines hufeisenförmigen Tisches stand Lübeck zu, obwohl ihm dieser durch Köln wiederholt streitig gemacht
wurde. Später nahm Köln den rechten Platz an der Seite Lübecks ein. Die weiteren Plätze um Lübeck herum nahmen Hamburg und Bremen ein. Der meist mehrere Tage dauernde Hansetag wurde von dem gastgebenen
Bürgermeister eröffnet und geleitet. Die einzelnen Sitzungen dauerten lange, da die Übereinstimmung der Teilnehmer schwer herzustellen war. Nach Abschluß der Verhandlungen mußten die Beschlüsse mit einer
Stimmenmehrheit gefaßt werden. Die endgültigen Beschlüsse eines Hansetages wurden in Rezessen zusammengefaßt und schriftlich festgehalten. Jeder Ratssendebote erhielt einen dieser auf Pergament
geschriebenen Rezesse und ließ nach der Rückkehr in seine Stadt Abschriften für die zu seinem Bereich gehörenden Städte anfertigen. Diese von den Ratssendeboten weitergeleiteten Rezesse wurden in den
übrigen Hansestädten von dem Rat diskutiert und beraten. Später wurden sie dann verlesen und es wurde versucht, sie in die Praxis umzusetzen. Meist jedoch lag ein großer Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Regionaltage Wichtig für das Funktionieren der Hansetage war die Einrichtung der Regionaltage. Diese waren Treffen von Interessengemeinschaften zwischen Städten in derselben
geographischen Umgebung und meist mit denselben Stadtherren. Ohne großen Aufwand von Reisekosten konnten sich viele kleine Städte untereinander treffen und beraten. Die Regionaltage spielten im doppelten Sinne eine
wichtige Funktion. Zum einen konnte sie mögliche Tagesordnungspunkte eines Hansetages bestimmen, zum anderen konnten sie die Durchführung der Beschlüsse der Hansetage veranlassen. Zu den Regionaltagen konnten auch
Städte eingeladen werden, die nicht zum Verbund der Hanse gehörten. Diese nicht hansischen Städte mußten die Sitzung verlassen, wenn über Hansefragen diskutiert wurde. Zusammenfassend läßt sich somit sagen, dass die
Hanse durch drei übereinander angeordnete Versammlungen organisiert wurde:
An der Spitze stand der Hansetag. Eine Stufe darunter die Regionaltage. Die Räte der Städte bildeten die dritte Stufe.
Gesandtschaften im Ausland Neben den
bereits erwähnten Beschlüssen wie Handelsblockaden, Kriegsführung oder die Vereinbarung von Handelsverträgen war ein bedeutender Beschlusspunkt des Hansetages die Abordnung von Sondergesandtschaften zu Verhandlungen im
Ausland. Diese Gesandtschaften wurden aus Vertretern der großen Hansestädte zusammengesetzt. Diese Vertreter der Hansestädte waren sachkundige Ratsherren oder Bürgermeister, die in Politik und Diplomatie genügend
Schulung besaßen. Sie zeichneten sich durch methodische Zähigkeit und Hartnäckigkeit in den Verhandlungen aus. Sogenannte Syndici dienten den Gesandten als Berater und Assistenten. Sie waren in diplomatischen Dingen
noch besser geschult als die Ratsherren. Die Aufenthalte im Ausland dienten in erster Linie dazu, Handelsverträge mit nicht hansischen Städten abzuschließen. Ebenso sollten Handelsprivilegien erneuert und alte
Handelsbeziehungen mit den bestehenden Partnern gepflegt und verbessert werden. Alle unternommenen Auslandsfahrten sollten dem Gemeinwohl der Hansestädte dienen. In der Realität profitierten aber nur die starken und
mächtigen Handelsstädte der Hanse von diesen Vereinbarungen. Die Kosten mussten jedoch die kleinen Städte genauso mit tragen wie die großen. Hansetage in der heutigen Zeit Hansetage waren nicht nur eine Institution des Mittelalters, sondern sie finden
auch heute wieder statt. So lud die niederländische Stadt Zwolle im Jahre 1980 anläßlich ihrer 750-Jahr-Feier zu einem Hansetag der Neuzeit
ein. Sie wollte an die alte Tradition der Hansetage anknüpfen. Auf dem ersten Hansetag seit 1669 wurde festgelegt, dass der Lübecker Bürgermeister, entsprechend der Tradition, den Vorsitz der Hansesitzungen übernehmen soll.
Auf den neu entstandenen Hansetagen werden die Gegenwartsprobleme, wie zum Beispiel Umweltprobleme oder Denkmalschutz der Städte, diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Inzwischen nehmen regelmäßig über 100 Städte
aus ganz Europa an den Hansetagen teil. Bewerbungen von Städten um die Veranstaltung von Hansetagen liegen bis zum Jahr 2029 vor. Der nächste Hansetag findet 2001 in Riga statt.
Literatur:
(1) Philippe Dollinger: Die Hanse, 4., erw. Aufl. Stuttgart 1989 (2) Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, hrsg. von Jörgen Bracker. Hamburg 1989
(3) Karl Pagel: Die Hanse, neu bearbeitet von Friedrich Naab, Braunschweig o.J. (4) Uwe Ziegler: Die Hanse. Aufstieg, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. München 1994
(5) Rolf-Hammel Kiesow: Die Hanse. München 2000 Internet:
www.luebeck.de/hansetage/... Zurück zum Anfang
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