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Hanse-Koggen – die “Lastesel” der Hanse

Übersicht:
1. Die Bedeutung der Koggen
2. Historische Erkenntnisse
3. Bauweise
4. Schiffsführung
4.1 Der Kapitän
5. Technische Daten und Fakten
6. Abschließende Bewertung

1. Die Bedeutung der Koggen

Seit dem 12. Jahrhundert wurden Koggen als Handelsschiffe eingesetzt. Dieser neue Schiffstyp hat für die Hansekaufleute eine so große Bedeutung erlangt, dass er vielfach zum Synonym für die Hanse geworden ist. Dies verdeutlichen auch die vielen Stadtsiegel, die Koggen abbilden (siehe rechts: Siegel von Stralsund, um 1300)

Der große Erfolg der Koggen lag an ihrer effektiven Beschaffenheit. Sie ermöglichten den Handel über weite Strecken der Nord- und Ostsee, denn die Seewege waren die bevorzugten Handelsrouten, da zu Wasser schneller größere Mengen Ware auf einmal transportiert werden konnten. Das Ladevolumen der Koggen war günstig für den Zusammenschluß mehrerer Händler, um somit die Kosten zu teilen und den Gewinn zu steigern. Man kann sagen, “[...] daß die ersten Koggen eine Revolution im Schiffbau darstellten, die gravierende Vorzüge gegenüber den Vorgängern hatten. Jahrhundertelang dominierte dieser Schiffstyp und segelte über Ost- und Nordsee, vom Baltikum bis ins Mittelmeer, es war jahrhundertelang der bevorzugte Schiffstyp der Hanse.” (Werner Dammann)

2. Historische Erkenntnisse

Die historischen Erkenntnisse über Koggen waren lange Zeit recht schwach und teilweise falsch. Es fehlte an Anschauungsmaterial, denn oft waren gefundene Wracks in so schlechtem Zustand, dass sie keinem Schiffstyp mehr zugeordnet werden konnten. Erst der Fund der Bremer Kogge im Jahr 1962 brachte durch die Rekonstruktion viele wichtige Erkenntnisse und Details ans Tageslicht, durch die weitere Funde identifiziert werden konnten. Dennoch bleiben auch heute noch viele Fragen offen.

Werner Dammann, anerkannter Schiffshistoriker, hat sich intensiv mit dem Geheimnis der Koggen beschäftigt und weitere Informationen gewonnen. Er beschäftigt sich sehr kritisch mit der Identifizierung von ikonographischem Material, z.B. Stadtsiegeln mit Koggenabbildungen, und hat frühere Vorstellungen korrigiert. So hatte der Bremer Notar Woltmann 1328 die Schiffe auf den Stadtsiegeln Lübecks von 1226 und 1280 als Koggen bezeichnet. W. Dammann widerlegt dies mit einer durchaus logischen Begründung: Zum einen sind beide Vor- und Achtersteven rund, was ein untypisches Merkmal ist, und zum anderen deuten die Tierköpfe eher auf eine nordische oder slawische Herkunft hin. Diese Annahme widerlegt auch die bisherige Theorie, dass die Vorgänger der Koggen Wikingerschiffe waren. Weitere Indizen, die gegen eine Kogge sprechen würden, wären meiner Meinung nach die Seitenruder. Für gewöhnlich waren Koggen mit Heckrudern ausgestattet, da Seitenruder nicht sehr effektiv sind. Weiter fehlen die ansonsten vorhandenen Klüver-Bäume.

3. Bauweise

Aufgrund weiterer Funde ergaben sich schnell die wesentlichen Merkmale, die eine Kogge auszeichnen. Eine “reinrassige” Kogge besitzt folgende Kennzeichen:

1. Sie hat eine gerade, flache Kielplanke.
2. Sie besitzt gerade, schräg ausfallende Vor- und Achtersteven.
3. Durch ein "Stevenknie" aus gewachsenem Krummholz sind die unter 1. und 2. erwähnten Konstruktionen miteinander verbunden.
4. Die Beplankung der Rumpfschale ist im Boden karweel und an den Seiten geklinkert (siehe Abbildung).
5. An den Steven laufen die Boden- und Kimmplanken in eine Sponung ein und die Seitenplanken schließen mit der Vorkante der Steven bündig ab.
6. Die Klinkernähte sind durch Spieker zusammengefügt, deren Spitze zweifach umgeknickt und in die Planken zurückgeschlagen wurden
7. Die Nähte der meisten Koggen waren mit Moos kalfatert, das mit Leisten und krampenförmigen Senteln eingepreßt und befestigt wurde.

Eine besondere Eigenschaft der Koggen war, dass der Boden im Mittelpunkt sehr flach war, aber trotzdem jede Bodenplanke, die ja horizontal liegt, vertikal am Steven endet und somit um 90° gedreht ist. Das Spezielle an dieser Bauweise ist, dass vorne und achtern im Unterwasserbereich scharfe Kanten entstehen, welche die Segeleigenschaften bei vorlichem Wind so verbesserten, dass die Koggen so hoch am Wind segeln konnten, dass man dies schon “kreuzen” nennen kann. Diese Annahme wurde bisher oft verneint. Nach Werner Dammann spricht jedoch vieles dafür, dass Koggen nicht nur mit dem Wind segeln konnten, sondern durch Kreuzen auch gegen den Wind. Durch diese Eigenschaft wurden dem Seehandel ganz neue Dimensionen geöffnet. Man war wie vorher nicht mehr so windabhängig und konnte deshalb Ware dahin transportieren, wohin man wollte.

Des weiteren erlaubt der flache Boden das Trockenfallen der Schiffe in Wattgebieten, ohne sich stark zu kränken. Wegen dieser Bauweise sind Koggen auch keine Plattbodenfahrzeuge, weder plump noch dickbäuchig, wie bisher oft angenommen wurde. Zur Verbesserung der Stabilität im Wasser wurde das Deck wasserdurchlässig konstruiert, so dass sich das Wasser nicht sammeln konnte, sondern in die Bilge lief. Dies minderte die Gefahr zu kentern. Trotzdem mußten zusätzlich Steine in die Bilge gelegt werden, um das nötige Gegengewicht als Ballast aufbringen zu können, denn die Koggen besaßen zur Stabilisierung im Gegensatz zur heutigen Schiffahrt keine Schwerter und kein Kiel.

4. Schiffsführung

Navigiert wurde damals mit dem Lot und der Erfahrung der Mannschaft. Nautische Hilfsmittel wie Untiefentonnen oder Leuchttürme waren eher selten oder gar nicht vorhanden. Die Kapitäne sind damals nur bei sicherem Wetter ausgelaufen, nachts nur bei sternklarem Himmel, um nach dem Polarstern navigieren zu können. Generell versuchten die Koggensegler immer in Sichtkontakt zum Festland oder Inseln zu bleiben. Oft mußte in Buchten oder hinter Inseln Schutz gesucht werden, denn die Sicherheit der geladenen Ware ging vor. Denn eine Seereise birgt immer eine Menge Gefahren. Schiffbruch, Seeräuber und Stürme wurden oft zum Verhängnis, so dass z.B. im 14. Jahrhundert ein allgemeines Winterfahrverbot eingeführt wurde. Zur Verteidigung der Ladung gegen die Seeräuber wurden im Laufe der Entwicklung auf dem Vor- sowie dem Achterdeck Kastelle installiert. Die Kastelle waren aber auch eine nautische Notwendigkeit für die Koggen, die in norwegischen und schwedischen Schärengürteln navigierten.   

Im Zuge der damaligen Modernisierung wurden auch die Koggen ein wenig komfortabler. Die Kastelle boten einen geschützten Raum und die Bremer Kogge von 1380 verfügte sogar über eine Toilette. Je nach Größe gab es teilweise auch Kabinen für Passagiere.

4.1 Der Kapitän

Rechtlich gehörte das Schiff meistens einer Reederei, wobei der Kapitän oft auch selbst einer der Reeder war. Zwar unterlag er den Anweisungen seiner Reederei, doch in der Praxis handelte er nach eigener Initiative und auf eigene Verantwortung. Er kümmerte sich um die Mannschaft, das Schiff und die Aufträge. Dies ermöglichte ihm auch den Transport von eigenen Waren, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Das Vorweisen einer Ehefrau und Kinder waren allgemeine Voraussetzung für den Kapitänsberuf, da diese sein Verantwortungsbewußtsein unterstrichen.

Der Kapitän trug immer die ganze Verantwortung. Die Abfahrt mußte aber mit der ganzen Mannschaft beschlossen werden und der Kapitän mußte sich der Mehrzahl fügen, ansonsten mußte er verlorengegangene Ware ersetzen. Auf See hatte der Kapitän als Schiffsführer uneingeschränkte Befehlsgewalt. Diese einzigartige Demokratie in der Seefahrt ist bis heute absolut unüblich und auch unvorstellbar. Wichtigster Mann neben dem Kapitän war der Steuermann, der zugleich auch Navigator war.

5. Technische Daten und Fakten

Da zur Hansezeit Koggen sehr weit verbreitet waren und in vielen Ländern gebaut wurden, wurden auch sehr unterschiedliche Koggenarten gefunden. Die folgenden Daten sind daher nicht auf alle Koggen zu beziehen, sondern beruhen auf der Rekonstruktion der Bremer Kogge.

Länge mit Kastelldeck: ca. 23 m
Kiellänge / Unterkante: ca. 15,60 m
Breite: ca. 7,6 m
Seitenhöhe bis zum Deck: ca.3,10 m
Höhe Unterkante Kiel bis Oberkante Vordersteven: ca. 7,20 m
Mastlänge: ca. 21 – 23 m
Segelfläche: ca. 150 – 200 m²
Schiffsgewicht gesamt: ca. 60 t
Ladevolumen: ca.140 – 160 m³
Tiefgang unbeladen: ca. 1,30 m
Tiefgang beladen: ca. 2,30 m
Geschwindigkeit: ca. 5 - 8 kn
Besatzung: ca. 12 - 18 Mann

6. Abschließende Bewertung

Obwohl die Segelerfahrungen mit dem Kieler Nachbau der Bremer Kogge eher schlecht waren – was den SPIEGEL zu der Aussage verleitete, “[...], daß das Standard-Schiff der Hanse nur bedingt seetüchtig, kaum manövrierbar und bei Gegenwind den Wellen hilflos ausgeliefert gewesen sei.” (zit. nach Harald Focke) –, widerlegt dies nicht die besonderen Vorzüge der Koggen. Man sollte nicht vergessen, dass die Koggen vor 800 Jahren entwickelt wurden, und die damaligen Seefahrer waren mit Sicherheit nicht an die elektronische Hilfe wie Bordcomupter oder GPS gewöhnt oder davon abhängig, sondern wussten ihr Schiff auch so sicher zu beherrschen. Unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse sollte man die Leistung der frühen Koggensegler und der Schiffe hoch anerkennen.

                                             Johannes Sponholz

Literatur:

Werner Dammann: Koggen – Lastesel der Hanse, in: Das Logbuch. Zeitschrift für Schiffbaugeschichte und Schiffsmodellbau, 36.Jg. (2000), Heft 2
Harald Focke: Komm mit auf die Hansekogge. GNT-Verlag 1999
Axel Bark: Segelführerschein BR. Delius Klasing-Verlag 1997

Internet:

www.sbg.ac.at/ges/people/janotta/diehanse/ (Semesterarbeit: Die Bedeutung der Schifffahrt, Werner Hittenberger)

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