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  der Klasse 9c

Lübeck – das “Haupt” der Hanse

Übersicht:
1. Die Gründung Lübecks
2. Das “neue Lübeck” unter Heinrich dem Löwen und der Dänenherrschaft
3. Der Aufstieg Lübecks zum “Haupt” der Hanse
4. Der Bedeutungsverlust Lübecks durch Unruhen, Kriege und Entdeckungen

1. Die Gründung Lübecks

Die erste existierende Siedlung mit dem Namen “Liubice”(die Schöne, die Liebliche) lag am Zusammenfluss der Trave und der Schwartau. Die Siedlung bestand aus einer Königsburg, einer christlichen Kirche und kaufmännischen Niederlassungen. 1138 wurde diese erste mit der späteren Hansestadt Lübeck in Verbindung stehende Siedlung niedergebrannt.

Im Jahr 1143 wurde die Stadt Lübeck durch eine christliche Kaufmannssiedlung des Grafen Adolf von Schauenburg begründet. Sie lag einige Kilometer von der alten Siedlung entfernt auf einem von der Trave und der Wakenitz  umgebenen eiförmigen Hügel.

Die Wahl dieser Lage traf Adolf, weil er eine günstig gelegene Handelsstadt zur Eindeutschung der Slawengebiete brauchte. Die günstige Lage definierte sich dadurch, dass die Siedlung auf einer schwer einzunehmenden Halbinsel lag und sich in der Nähe einer Salzquelle und eines schon bestehenden Handelsweges befand. Die einzige dem Land zugewandte Seite wurde von Adolf durch eine Burg gesichert, wodurch die Stadt an Sicherheit für die Kaufleute gewann. Die günstige Handelslage wurde von den Kaufleuten der umliegenden Städte schnell bemerkt, so dass vor allem aus Bardowick und Lüneburg eine Vielzahl  von Händlern nach Lübeck übersiedelte.

Der Verlust an Kaufleuten in den umliegenden Städten, die dem Herzog Heinrich gehörten, führte zu einem Konflikt zwischen Heinrich und dem Grafen Adolf. Der Graf verweigerte die Übergabe von Teilen der Stadt an Heinrich, worauf dieser anordnete die sich in der Nähe befindende Salzquelle zu verstopfen und die Waren in seine Städte zu überführen. Der Konflikt fand erst durch einen großen Brand im Jahr 1157, welcher Graf Adolf zur Abgabe von Werder und Hafen zwang, sein Ende.

2. Das “neue Lübeck” unter Heinrich dem Löwen und der Dänenherrschaft

Heinrich der Löwe gründete die Stadt am selben Ort neu um ein gut gelegenes Ausfalltor zur Ostsee zu schaffen. Von dem Wunsch erfüllt den Handel und die Handelsbedingungen zu fördern gestand er der Stadt zahlreiche Handelprivilegien wie das Münz-, Zoll- und Freiheitsrecht zu. Er sprach den Lübeckern das Stadtrecht nach Soester Vorbild zu und begann sofort mit dem Aufbau von Handelsbeziehungen in den Norden, bis nach Nowgorod . Bereits 1160 verlegte Heinrich das Bistum von Oldenburg nach Lübeck und es begann die Errichtung zahlreicher bedeutender Bauten. Ein Beispiel dafür war bzw. ist die große romanische Domkirche.

1181 wurde Heinrich von Kaiser Friedrich Barbarossa geächtet und Lübeck fiel in die Hände der Dänen, welche der Stadt aber weitere Handelsvorrechte einräumten und somit den Aufstieg Lübecks zum Haupt der Hanse förderten. Am Maria-Magdalena-Tag im Jahr 1227 besiegten die Lübecker die Dänen nach 25jähriger Dänenherrschaft, wodurch die heilige Maria Magdalena zur Lübecker Schutzpatronin wurde.

3. Lübecks Aufstieg zum “Haupt” der Hanse

1226 wurde Lübeck von Friedrich II. zur freien Reichsstadt erhoben, was bedeutete, dass Lübeck nur noch dem Kaiser direkt unterstellt war. Die Reichsfreiheit befähigte die Lübecker dazu, ein eigenes Recht zu entwickeln, um eine starke und unabhängige Handelspolitik zu betreiben. Dieses ausgearbeitete “Lübische Recht” erlangte in vielen Ostseestädten Geltung und wurde eine wichtige Handelsgrundlage der Hansestädte.

1293 wurde von den norddeutschen Handelsstädten der Beschluss getroffen anstelle von Visby den Lübecker Rat als höchste Rechtsinstanz für gemeinsame Kontore in Novgorod anzuerkennen. Mit dem Erwerb von Travemünde im Jahre 1329 sicherte sich Lübeck den ungehinderten Zugang zur Ostsee, welcher Lübeck zu der bedeutendsten hansischen Handelsstadt machte. Lübeck wurde zum Dreh- und Angelpunkt des Handels zwischen Nord- und Ostsee. Gleichzeitig wurde die Stadt der wichtigste Umschlagsort für alle Waren des Ostseehandels, die ins Inland geliefert wurden oder aus dem Inland kamen. An dieser Stelle der Geschichte Lübecks erwies sich die Wahl der Stadtlage als ideale Position für den gesamten Ostseehandel.

Der Bau der “Bürgerkathedrale” St. Marien, welche 1350 als Ratskirche geweiht wurde. ist von 120 wohlhabenden Kaufmannsfamilien finanziert worden und brachte schon zu dieser Zeit den Wohlstand und die Macht der Lübecker Kaufleute zum Ausdruck. Nur sechs Jahre später wurden in Lübeck bereits die ersten Hansetage abgehalten, auf denen nicht nur über die Wirtschaftsinteressen der Hanse, sondern auch über Krieg und Frieden beratschlagt und entschieden wurde.

Der erneute Sieg gegen Dänemark im Jahr 1370 führte zum Frieden von Stralsund , der Lübecks Herrschaft über die Ostsee endgültig außer Frage stellte.1397 beendeten die Lübecker den Bau des Strecknitzkanals, welcher der erste künstliche norddeutsche Wasserweg war und die Seehandelsbedingungen weiter verbesserte.

Lübeck hatte jetzt etwa 30.000 Einwohner, womit es nach Köln die zweitgrößte deutsche Stadt war und zählte neben Rom, Pisa, Florenz und Venedig zu den fünf Herrenstädten des Kaiserreiches. Lübeck hatte im 14.Jahrhundert den Höhepunkt in der Geschichte der Hanse erreicht und ist sowohl zum westeuropäischen Tor des Ostseehandels als auch zum nördlichen Gegenpol zu Venedig herangewachsen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Lübeck seinen Aufstieg zum Haupt der Hanse in erster Linie seiner herausragenden verkehrsgeographischen Lage zu verdanken hat.

4. Der Bedeutungsverlust Lübecks durch Unruhen, Kriege und Entdeckungen

Am Anfang des 15.Jahrhunderts begannen die ersten inneren Unruhen der Stadt, die zur Vertreibung des Lübecker Rates ins Exil und zu einer Neubildung des Rates führten. In diesen Unruhen strebten die erstarkten Handwerker nach Regierungsbeteiligung bzw. nach eigenen Vertretern im Lübecker Rat. Die Vertreibung des alten Rates konnte allerdings schon 1415 durch die Vermittlung der anderen Hansestädte rückgängig gemacht werden, so dass der innere Frieden wiederhergestellt wurde.

Nach langjährigem Kriegszustand mit England konnte durch den Utrechter Frieden von 1474 endlich Frieden zwischen England und der Hanse entstehen und auch die Vorrechte der Hansekaufleute wurden wieder anerkannt. Doch schon vier Jahre später wurden die Handelsbeziehungen zum Norden durch die Schließung des Handelskontors in Nowgorod stark geschwächt. Zusätzlich zu der Anordnung der Moskauer Großfürsten, welche die Schließung der Kontore in Nowgorod zur Folge hatte, verlor Lübeck das Hinterland Holsteins an die Dänen. Diese beiden großen Verluste besiegelten den endgültigen Bedeutungsverlust Lübecks als Haupt der Hanse.

In den 30er Jahren des 16.Jahrhunderts kam es erneut zu inneren Unruhen. Diesmal waren die  Gründe auftauchende religiöse Reformfragen. Doktor Johannes Bugenhagen, ein Anhänger Luthers neuer Reform, stellte 1530 eine neue Schul-, Kranken-, und Sozialordnung auf, die schon ein Jahr später von einer breiten Bürgerbewegung gegen den konservativen Rat durchgesetzt wurde und Lübeck protestantisch machte. An der Spitze der demokratischen Bewegung stand Jürgen Wullenwever, der den Versuch startete mit einer neuen Kriegspolitik die Großmachtposition Lübecks im Ostseeraum wiederherzustellen. Dieser Versuch scheiterte in der sogenannten “Grafenfehde” von 1534-36, so dass Wullenwever kurze Zeit später abgesetzt und hingerichtet wurde.

Einige Jahre nach der "Grafenfehde" begann der Siebenjährige Krieg gegen Schweden. Von 1563-70 versuchte Lübeck zusammen mit Dänemark die Schweden zu bezwingen um wieder an Macht im Ostseeraum zu gewinnen. Der Krieg wurde von Schweden gewonnen und blieb der letzte Krieg Lübecks in der Hansezeit.

Parallel zu den aufgeführten inneren Konflikten und den kriegerischen Auseinandersetzungen wurde die “bekannte Welt” durch die Entdeckungsfahrten größer. Die europäische Besiedlung Amerikas führte zu einem Bedeutungsverlust des Ostseeraums als Handelsgebiet.

Die durch die Reform Luthers durchgesetzte neue Kirchenlehre förderte eine individuellere Lebensauffassung und auch der Zusammenhalt des gesamten Hanseverbandes löste sich langsam auf. Viele Städte orientierten sich nach Westen zur “Neuen Welt”, wodurch England und Holland eine bessere Position erlangten und insgesamt gegenüber den Hansestädten erstarkten.

Durch den Bedeutungsverlust des Ostseeraums als Handelsgebiet löste sich die Hanse sogar soweit auf, dass auf dem letzten Hansetag von 1630 nur noch Lübeck, Hamburg und Bremen vertreten waren. Diese drei “letzten Hansestädte” schlossen ein Handelsbündnis, das bis ins 20.Jahrhundert anhielt, aber in keiner Weise mehr mit den Handelsbeziehungen der früheren Hanse vergleichbar war. Lübeck blieb nach der “Auflösung” der Hanse aber eine sehr wohlhabende und bedeutende deutsche Handels- und Kaufmannsstadt.

                                    Hauke Körting

Literatur:

Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, hrsg. von Jörgen Bracker. Hamburg 1998

Internet:

www.weltchronik.de

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