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  der Klasse 9c

Die “Vitalienbrüder” – wer waren sie wirklich?

Übersicht:
Vorbemerkung
Zur Vorgeschichte
Die Rolle der Vitalienbrüder im Krieg zwischen Dänemark und Schweden
Die Räumung der Ostsee und Verlagerung in den Nordseraum
Das Ende von Klaus Störtebeker

Vorbemerkung

Bei der Beschäftigung mit dem Thema “Hanse” interessierten mich speziell die Piraten in Nord- und Ostsee in der Zeit vom 14. bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Diese wurden “Vitalienbrüder” oder auch “Likedeeler” genannt. Zeigen soll dieses Referat u.a., wer diese Seepiraten wirklich waren, wie sie lebten und wie die Hanse durch ihre Überfälle beeinträchtigt wurde.

Zur Vorgeschichte

1364 wurde der Sohn des regierenden Herzogs von Mecklenburg, Albrecht III., zum König von Schweden gewählt. Dies bedeutete eine Niederlage für den Dänenkönig Waldemar IV ., der sich ebenfalls um diesen Thron bemüht hatte. 1369, nach dem Tod des dänischen Königs, wurde entgegen Albrechts Bemühungen Magareta I. neue dänische Königin. Die mit Albrecht III. verbundenen Mecklenburger schlossen sich deshalb 1370 dem Frieden, den die Hanse mit Dänemark abgeschlossen hatte, nicht an. Dieser Frieden von Stralsund sicherte der Hanse die alten Privilegien und gab ihr neue Handelsvorrechte. Die mit Schweden verbündeten Mecklenburger führten weiterhin einen Kaperkrieg gegen die dänische Königin, von dem auch die Hanse betroffen wurde. Nach der Agrarkrise im 14. Jh. versprach der Kaperkrieg dem verarmten mecklenburgischen Landadel außerdem einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere.

Die Hanse litt unter der Seeräuberei und sagte ihr bereits auf einem Hansetag den Kampf an. Doch die mecklenburgischen Städte entzogen sich diesem Beschluss, so dass die Städte Lübeck und Stralsund den Krieg fast alleine führten. Wenig später beteiligten sich auch die preußischen Städte nicht mehr im Kampf gegen die Seeräuber. Die Hanse war fast hilflos gegen diese Seeräuberei. Zur gleichen Zeit erstarkte Magareta I. von Dänemark. Sie  wurde Regentin von Norwegen und, nachdem ein Aufstand des schwedischen Adels zur Vertreibung und Gefangennahme Albrechts III. geführt hatte, auch zur Herrscherin über Schweden. Allein Stockholm blieb, auch wegen der deutschen Bevölkerung der Stadt, den Mecklenburgern treu und musste als ihr letzter Stützpunkt in Schweden versorgt werden.

Die Rolle der Vitalienbrüder im Krieg zwischen Dänemark und Schweden

Die Mecklenburger versprachen deshalb 1391, um die Versorgung des eingeschlossenen Stockholms sicherzustellen und außerdem noch den dänischen Handel zu schädigen, “all denjenigen, die auf ihre eigene Gefahr ausfahren wollen, das Reich zu Dänemark zu schädigen”, ihre Häfen zu öffnen.

Aus allen Teilen des Landes strömten nun die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um in den Dienst des mecklenburgischen Landadels zu treten und ihnen als Vitalienbruder, oder als Pirat, zu dienen. Sie erhielten von der mecklenburgischen Landesherrschaft sog. “Kaperbriefe”, die sie als Teil der Flotte des Landesherren auszeichnete und zu ihren Unternehmungen berechtigte. Sie versorgten Stockholm über den Seeweg mit allen lebensnotwendigen Dingen, den Viktualien, oder auch schwedisch Vitalien, und sollten sich ihren Sold selbst verschaffen, waren also Selbstversorger, die auf eigene Rechnung segelten und sich auch selbst versorgten. Auf diese Versorgung mit Lebensmitteln ist wohl auch ihr Name Viktualien- oder auch Vitalienbrüder zurückzuführen. Andere Erklärungen führen den Namen auf “ Vitalleurs” zurück, was aus dem Französischen kommt und das mit der Versorgung des Heeres beauftragte Kriegsvolk bezeichnet, oft ist dieser Begriff mit Räuberei in Verbindung gebracht worden. Rostock und Wismar wurden die Zentren der Kaperer. Dort wurden Schiffe ausgerüstet und bewaffnet, Pläne gemacht und die Beute in Sicherheit gebracht und geteilt.

Mit Hilfe der Vitalienbrüder führten die Mecklenburger einen gnadenlosen Krieg, der sich bald nicht nur gegen dänische Schiffe, sondern auch gegen Schiffe der Hanse richtete. Sie hatte stark unter den Kaperfahrten zu leiden. Neben den materiellen Nachteilen war auch ihre Einheit in Gefahr. Der Seehandel der Hansestädte kam fast zum Erliegen, die Schonenmärkte mussten sogar für drei Jahre geschlossen werden und im Binnenland kam es dadurch wie an der Küste zu Versorgungsproblemen. Mecklenburg hingegen profitierte von diesen Kaperkriegen. Es eroberte 1391 Bornholm und Visby auf der Insel Gotland, dann Åbo, Viborg und verschiedene Burgen in Finnland. 1393 wurde Bergen, 1394 Malmö geplündert und die Einwohner hatten Albrecht III. den Treueid zu leisten. Man glaubt, dass die Vitalienbrüder zu ihrer erfolgreichsten Zeit bis zu 2000 Mann und 100 Schiffe ausgemacht haben.

Die Räumung der Ostsee und Verlagerung in den Nordseeraum

1395 kam es zum Frieden von Skanör zwischen der Hanse, Dänemark und Mecklenburg. Danach mussten die Vitalienbrüder die Ostsee räumen. Stockholm wurde zunächst an sieben Hansestädte zur Verwaltung übergeben und ging nach drei Jahren in den Besitz Magaretas über. Mit Triumph verkündete sie 1397 die Union der drei skandinavischen Königreiche. Dieser Friedensschluss nahm dem Kaperkrieg jede Berechtigung, so dass die adeligen Hauptleute sich zum großen Teil zurückzogen. Doch viele der Freibeuter wollten ihr einträgliches Gewerbe nicht aufgeben und erklärten somit kurzerhand die ganze Welt zu ihrem Feind (“Gottes Freund – Aller Welt Feind”). Diese Gruppe von Freibeutern hatte großen Zulauf und setzte sich vor allem aus entlassenen Seeleuten, also den ehemaligen Vitalienbrüdern zusammen. Die Seeräuberei grassierte somit mit der Insel Gotland als neuer Basis weiter.

Wismar und Rostock litten unter den ausbleibenden Beutegeschäften und Stralsund begann ein kräftiges Orlogschiff  (Kriegsschiff) zu bauen. Mit diesem Schiff fingen sie so viele Freibeuter, dass die Verliese nicht mehr ausreichten und man die Piraten in Fässer steckte, so dass nur noch der Kopf herausguckte. Trotz dieses erfolgreichen Schlags gegen die Seeräuber hielten sich noch eine große Anzahl von ihnen auf Gotland auf.

Als der Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Jungingen sich entschloss mit der Hanse zusammenzuarbeiten, konnte Visby eingenommen werden, nur wenige Freibeuter konnten entkommen und fanden vorübergehend Unterschlupf auf Rügen. Doch in der Nähe Strahlsunds war es ihnen zu gefährlich und so verlegten sie ihre Beutezüge in die Nordsee, genauer ins Gebiet der Elb-, Wesermündung, wo sie auf Helgoland Kontakt zu anderen Freibeutergruppen fanden. Im Jahre 1400 war die Ostsee durch die Jagd der lübischen und preußischen Flotten fast gänzlich von Seeräubern befreit.

Bei den Grafen von Oldenburg und Holland und anderen kleinen ostfriesischen Herrschern fanden diese nun freundliche Aufnahme. Sie beteiligten sich an den jeweiligen Stammesfehden und verkauften ihre Beute, die sie von Ostfriesland aus erneut aus dem Gebiet des hansischen Handels bezogen, oder teilten sie auf. Die gemachte Beute wurde gerne angenommen, da sie über das Mittelmeer nach Bergen und Antwerpern und somit weiter nach Osten verkauft werden konnte und viel Geld brachte. Die ostfriesischen Adligen sahen in den Seeräubern keine Piraten, sondern Verbündete gegen die Hanse, mit der es einige kriegerische Auseinandersetzungen gab. Auch das  Problem der Versorgung, was am Anfang aufgetreten war, regelten die Freibeuter auf ihre eigene Weise.

Vor allem Hamburg litt unter den Überfällen der Piraten, da diese den hamburgischen Englandhandel ganz entscheidend schädigten. Dieses veranlasste sie gegen die wieder auftretende Seeräuberplage vorzugehen und Interventionen zu starten. Zu dieser Zeit wird erstmals der Name Störtebekers wieder erwähnt, und zwar in Klageschriften von Handelsfirmen an die Regierung, sie besagen also, dass zu dieser Zeit Störtebeker schon ein berühmter Freibeuter war.

Doch in den Jahren, in denen die Seeräuber diese Gebiete beherrschten, schlugen die Versuche der Engländer, Dänen und auch die der Hanse, sie zu vertreiben, fehl. Denn sie verfügten über eine wendige Segeltechnik, waren hierdurch also schwer zu fassen, und spielten einen Anlieger der Nordsee geschickt gegen den anderen aus, wodurch sie den gegenseitigen Handelsneid förderten und für sich nutzten. Doch die Hanse schloss mit den Friesen einen Frieden und diese mussten versprechen, nie wieder die Piraten aufzunehmen. So kam es, dass diese Freibeuter, die sich inzwischen Likedeeler, also Gleichteiler, nannten, begannen sich in zwei Gruppen zu unterteilen. Die eine Gruppe, wahrscheinlich unter der Führung Goedeke Michels, einem der berühmtesten Piraten, floh nach Norwegen. Die zweite Gruppe, wahrscheinlich unter der Führung Störtebekers, segelte im Auftrag des Grafen von Holland, bei dem sie kurze Zeit Zuflucht gesucht hatten, nach Helgoland und blieb in der von Untiefen umgebenen Küste. Von hier aus konnte sie mit der Flut auslaufen, Schiffe überfallen und gerade noch rechtzeitig vor der Ebbe wieder zurückkehren. In einigen Quellen wird sogar von Streifzügen der Freibeuter bis in den Atlantik berichtet.

Das Ende von Klaus Störtebeker

Unter dem Bürgermeister Simon von Utrecht rüstete Hamburg um 1400 eine eigene Kriegsflotte, um gegen die Seeräuber in der Nordseebucht vorzugehen. Das Schiff “ De bonte Koh” (“Bunte Kuh”) wurde nach den neuesten Errungenschaften der Zeit ausgerüstet. Die Seeschlacht bei der Felseninsel Helgoland bedeutete die Niederlage der Freibeuter. Nach dem Angriff der Hamburger waren die Piraten sofort in den Gegenangriff übergegangen und der Kampf streckte sich über den ganzen Tag hin. Es hätte auch schlecht für die Hamburger ausgesehen, wenn sie nicht am Ende die Seeräuber durch einen Trick gefangen hätten.

Die Gefangenen, u.a. Klaus Störtebeker, wurden nach Hamburg gebracht und am 21. Oktober  1400 auf dem Grasbrook in Hamburg durch Enthauptung durch das Schwert hingerichtet. Die Köpfe der 71 Enthaupteten wurden auf Pfähle gespießt und an der Elbe als Abschreckung für alle aufgestellt, die unter Segel gingen und sich mehr davon erhofften als die karge Heuer, harte Arbeit und dürftige Kost. Ein Jahr später wurde Goedeke Michels auf der Rückkehr aus Norwegen auf der Weser besiegt und ebenfalls auf dem Grasbrook in Hamburg mit 80 seiner Piraten hingerichtet. Vereinzelt aber gab es sogar noch bis ins 16. Jh. Piraten, welche erst mit dem Sieg der Hamburger über Klaus Kniphof, einem dänischen Admiral,  vollständig besiegt werden konnten. Dieses brachte Hamburg den Ruhm ein, die Stadt zu sein, die die Nordsee von den Seeräubern befreite.

Über die Freibeuter gibt es zahlreiche Sagen und auch heute ist der Name Störtebeker in aller Munde. Es gibt z.B. ein Denkmal Klaus Störtebekers in der Speicherstadt am Brooktor in Hamburg, in der Nähe seiner Hinrichtungsstätte. Im März 2001 startete eine Sonderausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte mit dem Titel “Gottes Freund –  Aller Welt Feind” zum Thema Freibeuter der Hansezeit.

                                    Alena Plothe

Literatur:

  • Willi Bredel: Die Vitalienbrüder. Ein Störtebeker-Roman. 1988
  • Philippe Dollinger: Die Hanse. 4., erw. Aufl. Stuttgart 1989 (“Die Vitalienbrüder und die Bekämpfung des Seeraubs”)
  • Matthias Puhle: Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit
  • Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, hrsg. von Jörgen Bracker. Hamburg 1989 (“Die Vitalienbrüder und der Burgenbau im nördlichen Ostseeraum”; “Bremen und die Seeräuber”)
  • Karl Pagel: Die Hanse, neu bearbeitet von Friedrich Naab. Braunschweig o.J. (“ Kampf gegen den Seeraub”)
  • Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001 (Stichworte: Vitalienbrüder; Störtebeker, Klaus)
  • Hamburger Abendblatt vom 23. März 2001, S. 18 “Störtebeker – er war kein gemeiner Pirat”

Internetadressen:

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